Collegium-Musicum-Witten

Chronik Musikverein Witten

150 Jahre Musikverein Witten e.V. (1864 - 2014)


Begonnen hat alles damit, daß im Juli 1864 ein Klavierlehrer namens Thiele den Entschluß faßte, sich in Witten niederzulassen. Seine Anregungen im November 1864, in Witten ein "Musikalisches Kränzchen" zu gründen, fiel auf ausgesprochen fruchtbaren Boden. Nun hatte es sangesfreudige Bürger in der Stadt schon vorher gegeben. Beim "Zweiten Westfälischen Musikfest" in Dortmund (1854) waren unter den insgesamt 280 beteiligten Chorsängern auch zahlreiche Aktive aus Witten. Und das 1863 in Witten durchgeführte traditionsreiche evangelische Lehrer-gesangsfest des Märkischen Lehrergesangvereins stieß allgemein ebenfalls auf gute Resonanz. Der "Dortmunder Anzeiger" wußte damals zu berichten: "Witten 21. September. Zu dem heutigen Lehrergesangfest sind bereits 260 Teilnehmer gemeldet." Die Musikbetätigung gewann in diesen Jahren allgemein eine nie zuvor gekannte Breite.

Die größte chorische Leistung der von Thiele bis 1869 geleiteten Wittener Gemeinschaft dürfte im Februar 1866 die Aufführung von Andreas Rombergs "Glocke" (eine romantische Vertonung des Schiller-Gedichts) gewesen sein. Das "Musikalische Kränzchen" hatte sich mittlerweile zum "Städtischen Gesangverein" gemausert. Doch größere Aufmerksamkeit erregte der Chor erst, als 1869 Dr. Eduard Kreuzhage die künstlerische Leitung übernahm, "ein bedeutender Musiker, der zahlreiche Lieder komponiert hat. Außerdem rührt von ihm ein Requiem her, das am 3. Juni 1883 in Witten, gleich darauf in Köln zur Aufführung gelangte. Der Verein war bestrebt, jedes Jahr wenigstens eine größere Tondichtung zur Aufführung zu bringen. Zum ersten Male brachte er am 12. Juli 1871 Haydns Schöpfung, wobei Solopartien zum Teil in Händen von stimmbegabten Dilettanten lagen (Bürgermeister Wegner von hier sang die Partie des Rafael, der Kreisrichter Leesemann den Adam)." (Zitat nach Gerrit Haren)

Das Jahr 1883, in dem Dr. Kreuzhages "Requiem" in Witten aufgeführt wurde, war zugleich das Jahr, in dem der "Gesangverein Gemischter Chor", wie man sich ab 1872 zwischenzeitlich nannte, zum "Musikverein Witten" wurde. Damit vollzog sich in Witten eine Entwicklung, die in Nachbarstädten wie Münster (1816/17), Bochum (1829), Soest (1820) oder Dortmund (1845) durch die Gründung dortiger Musikvereine schon abgeschlossen war.

Das Neue an diesen bürgerlichen Musikvereinen war die Tatsache, daß sich Laien zusammenfanden, die unter der Leitung von bezahlten Berufsmusikern bemüht waren, "selbst aufwendigste Großwerke wie Oratorien oder Opern in Städten jedweder Größe darbieten zu können. "(Salmen)

Walter Salmen weist in seinen historischen Betrachtungen über die Musik in Westfalen darauf hin, daß dieses Musizieren verstanden wurde als "eine Freizeitbeschäftigung von Mitgliedern mit gleichen Interessen, die zumeist dem oberen Bildungsbürgertum entstammten." Wirft man einen Blick auf das Mitgliederverzeichnis des Wittener Musikvereins von 1884 bzw. 1900, so findet man diese Feststellung bestätigt. Die Liste liest sich für Kenner wie das "Who is Who" Wittens in jener Zeit. Dabei bleibt anzumerken, daß es vor allem die Damen aus gutem Hause waren, die sich für das gemeinsame Musizieren begeisterten. Die Herren Fabrikanten, Stadträte, Direktoren oder Stadtvermesser traten in der Mehrzahl eher als Förderer denn als Sänger in Erscheinung. Womit zugleich eine weitere wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Vereinsziels (Aufführung großer Chorwerke) gegeben war: Der Wittener Musikverein hatte in den ersten Jahrzehnten, die man wohl als eine Blütezeit bezeichnen darf, finanzkräftige Mäzene in seinen Reihen.

Er hatte im September 1898, als Eduard Kreuzhage junior die künstlerische Leitung anstelle seines plötzlich verstorbenen Vaters übernahm, 327 Mitglieder, darunter 105 aktive. Die übrigen wurden unter "fördernd" geführt. Zum Vergleich: 1989 umfaßt die Liste der aktiven Mitglieder gut 70, während die der Förderer auf einen Handvoll Namen geschrumpft ist.

Die damalige Konzerttätigkeit muß als ausgesprochen rege bezeichnet werden. Immerhin bemühte sich der Musikverein, in den ersten Jahrzehnten seines Wirkens vier Konzerte jährlich zu geben, wobei er ein- bis zweimal mit der Aufführung größerer Chorwerke selbst in Erscheinung trat und zweimal bei Lieder-, Orchester- bzw. Kammermusikabenden als Veranstalter fungierte.

Die Solisten wurden vornehmlich aus Köln, Düsseldorf und Berlin verpflichtet. Daß uns aus den Jahren um die Jahrhundertwende genaue Protokolle der intensiven Tätigkeit des Musikvereins vorliegen, verdanken wir der Tatsache, daß er mit dem 1886 entstandenen Verein für Ort- und Heimatkunde sehr gut zusammenarbeitete. Dies wiederum ist darauf zurückzuführen, daß zahlreiche Mitglieder des Musikvereins auch auf den Listen des historischen Vereins zu finden waren.

Wie ernst die damaligen Verantwortlichen ihren selbstgegebenen Kulturauftrag nahmen und auf wie vielfältige Weise sie ihn ausfüllten, verdeutlicht eine Veranstaltung des Musikvereins, auf die das Wittener Tageblatt seinerzeit besonders aufmerksam machte. In der Ausgabe vom 19. Februar 1904 vermeldet die Zeitung eine "Extradarbietung des Musikvereins am 8. März, "ein "musikalisch-literarisches Ereignis von ganz außergewöhnlicher Bedeutung." Angekündigt wird ein musikalisch umrahmter Rezitationsabend, bei dem der Komponist Professor Schillings "seine Musik zu Wildenbruchs `Herenlied` persönlich dirigieren wird." Es fällt ins Auge, daß der Musikverein im gleichen Monat (29. März) mit einer eigenen Veranstaltung, nämlich der Matthäus-Passion", in Erscheinung trat. Daß die Aufführung dieses großen Bach-Werkes im Jahre 1904 einen gänzlich anderen Stellenwert hatte als eine Aufführung im Jahr 1989, in dem ein von Digital-Mitschnitten verwöhntes Konzertpublikum beliebte Oratorien als Schallplatte, Tonkassette oder gar CD jederzeit abspielbereit verfügbar hat, zeigt das ausgesprochen große Interesse des Wittener Publikums an einer derartigen Veranstaltung. Wobei neben der eigentlichen Aufführung noch eine öffentliche Generalprobe und eine sogenannte Volksaufführung zusätzlich angeboten wurde.

Eduard Kreuzhage war 14 Jahre lang künstlerischer Leiter des Chores. Immer wieder ist im Zusammenhang mit seinem Namen zu lesen, daß er den Chor zu erstaunlicher Höhe geführt habe, und stets wird erwähnt, daß die gebotenen Leistungen weit über das Niveau eines Chores einer Mittelstadt hinausgegangen seien.

1912 verläßt Kreuzhage Witten. Er zieht nach Duisburg, um dort als Musiklehrer, -schriftsteller und Komponist tätig zu werden.

Für den Musikverein Witten bedeutete sein Weggang nicht nur den Beginn einer neuen musikalischen Ära unter Kammermusiker Heinrich Nagel aus Kassel (der sich gegen 57 Mitbewerber durchgesetzt hatte!); das Jahr 1912 markiert zugleich das Ende der Blütezeit des Vereins, auch wenn bei der Aufführung von Mendelssohns "Elias" im November 1912 erstmals das im gleichen Jahr von Kapellmeister Fliegner gegründete und geleitete Städtische Orchester Witten bei einem Konzert mitwirkte. Der Grund: Die Wittener Sänger werden anscheinend in den nun folgenden Jahren vom Publikum nicht mehr so bedingunslos angenommen, wie das zum Beispiel noch 1904 der Fall gewesen ist. Studiendirektor Kumpf, Leiter des damaligen Schillerlyzeums und mit Unterbrechungen Vorsitzender des Musikvereins von 1909 bis 1926, erwähnt in einem Beitrag für das Buch "Witten und seine Umgebung" eine früher nicht gekannte Konkurrenzsituation:"Für das musikalische Leben einer Mittelstadt wirkt die unmittelbare Nachbarschaft mehrerer Großstädte teils vorteilhaft, teils nachteilig; vorteilhaft, weil die künstlerischen Leistungen der Großstadt anregend und vorbildlich auf die Umgebung wirken können, nachteilig, weil die kleinere Stadt aus wirtschaftlichen Gründen nicht dieselben Mittel aufzubringen vermag wie die Großstadt und dadurch äußerlich häufig hinter dieser zurückstehen muß, was einen Teil des Publikums leicht zur Unterschätzung des Gebotenen verleitet."

Besonders schwierig wurde die Situation für den Verein natürlich mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914. Allerdings ließen sich die Verantwortlichen dadurch nicht von ihrer selbstgestellten Aufgabe abbringen, auch unter den erschwerten Bedingungen das musikalische Leben der Stadt weiterhin zu fördern. Immerhin führte der Musikverein in den Kriegsjahren Bachs "Weihnachtsora-torium" (1914), Haydns "Schöpfung" (1915) und Brahms "Ein Deutsches Requiem" (1918) auf. Das Witten der 20er Jahre war geprägt durch Wirtschaftskrisen, denn die Umstellung der Werke von Kriegs- auf Friedensproduktion forderte ebenso ihren Tribut wie der Kapp-Putsch (1920), die französische Besatzungszeit (1923-1925) und die weltweite Rezession (1929). Der Bergbau verlor mehr und mehr seine Bedeutung für die Stadt. Daß von derartigen Entwicklungen auch die kulturellen Einrichtungen nicht unbeeinträchtigt blieben, versteht sich fast von selbst. Walter Salmen registriert ab etwa 1920 eine allgemeine Krise nahezu aller Musikvereine der Region, "die mitverursacht wurde durch die Erschütterungen, welche der Ausgang des Ersten Weltkrieges im Bürgertum hinterließ. Zudem wurde der Nachwuchs spärlicher, da die Jugend- und Singbewegung nunmehr den Freunden des Singens fesselndere Ideale zu bieten vermochte, wogegen die traditionell bestimmten und im Repertoire erstarrten Musikvereine kaum noch anziehend zu wirken fähig waren. Da es überdies 1934 den Beamten wegen der unter den Musikern herrschenden Arbeitslosigkeit verboten wurde, nebenamtlich zu musizieren, waren die Vereine in Orten ohne stehendes Orchester in ihrem Weiterbestehen erheblich gefährdet."

Für den Wittener Musikverein trifft Salmens Einschätzung so nicht zu. Der Verein behauptete seine führende Rolle im kulturellen Leben der Stadt. Die Mitgliederstatistik verdeutlicht, daß das Interesse am chorischen Singen bis Ende 1937 nahezu ungebrochen ist. 1931 und 1932 liegt die Zahl der aktiven Sänger mit 128 sogar etwas höher als in den beiden "Glanzjahren" 1900 und 1901, als von den damals insgesamt 420 Mitgliedern 120 mitsangen. Deutliche Einbußen erlitt der Verein allerdings im Bereich der unterstützenden Mitglieder. Bis zum Beginn der kriegsbedingten Pause (1938 bis 1947) sank die Zahl der Förderer kontinuierlich von ehemals 300 (1900/1901) auf 87 (1937). Dafür vermerkt das Protokollbuch ab 1911 eine zusätzliche Geldquelle: Das "Stadtsäckel". So gab die Stadt Witten ab 1911 einen jährlichen Zuschuß von 2.000 Mark, der 1912 um 800 Mark für Dirigentenhonorare ergänzt wurde.

Daß der Musikverein trotz aller Veränderungen im Umfeld und der immer wieder auftretenden finanziellen Probleme ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Witten blieb, verdankt er im wesentlichen drei Tatsachen: Erstens fanden sich stets Führungspersönlichkeiten, die bereit waren, sich unter allen Umständen für die Vereinsinteressen einzusetzen. Zweitens stand dem Chor für seine Aufführungen ab 1912 das Städtische Orchester Fliegner zur Verfügung, ein für den Verein lebenswichtiger Tatbestand. Und drittens gelang es dem Vorstand immer wieder,

namhafte, talentierte und ehrgeizige Musiker als Chorleiter zu gewinnen, so z.B. Robert Ruthenfranz, der seine Arbeit mit dem Musikverein in einer Zeit begann, in der sich Deutschland vor einer historisch folgenschweren Umgestaltungsphase befand.

Ruthenfranz löste Ende 1932 den Musikdirektor Gustav Claaßens (Godesberg) als Chorleiter ab, der sein fast siebenjähriges Wirken mit der Aufführung von Haydns "Schöpfung" beendete. Der Dienstantritt von Ruthenfranz fiel in etwa mit dem Adolf Hitlers (30. Januar 1933) als Reichskanzler zusammen. Dem neuen Zeitgeist konnten sich auch die Wittener Musikschaffenden auf Dauer nicht gänzlich entziehen.

Nach der auch im Musikverein durchgeführten "Gleichschaltung" und der Einführung des "Führerprinzips", konnte er am 28. Oktober 1934 mit einem Festkonzert sein 70jähriges Bestehen feiern. Ab dem 1. Dezember 1937 führte der Chor dann wieder den Namen "Städtischer Musikverein" und stand laut Protokollbuch ab da "unter dem Protektorat des Herrn Oberbürgermeister Dr. Erich Zintgraff." Schon 1934 stand ein von Robert Ruthenfranz geleitetes Weihnachtskonzert mit einem Wittener Auswahlchor "Unter dem Protektorat des städtischen Musikbeauftragten, Oberbürgermeister Dr.Zintgraff." Zur Durchführung des geplanten Festkonzertes anläßlich des 75jährigen Vereinsbestehens im Jahr 1939 konnte aber auch der Oberbürgermeister nicht mehr verhelfen. Die politischen Umstände und der Beginn des Zweiten Weltkriegs zwangen den Musikverein zu einer längeren Pause. Von 1938 bis 1947 ruhte das Vereinsleben.

Immerhin war es dem Verein noch bis Anfang 1938 möglich, mit Konzerten an die Öffentlichkeit zu treten. Robert Ruthenfranz dirigierte zum Beispiel am 22. November 1936 das vom Wittener Komponisten und Musikkritiker Bernhard Friedhoff geschaffene "Requiem". 1.000 begeisterte Musik-liebhaber würdigten mit ihrem Besuch des Konzertes im Städtischen Saalbau die, wie es im "Wittener Tageblatt" formuliert wurde, "Tat des für zeitgenössisches Schaffen stets tapfer eintretenden jungen Dirigenten des Musik-Vereins, Robert Ruthenfranz."

Daß dieses zeitgenössische Stück den politisch vorgegebenen kulturellen Rahmen nicht sprengte, verdeutlicht vielleicht ein weiterer Satz aus dem Text des "Wittener Tageblatts" zu diesem Konzert, bei dem Friedhoff anwesend war: "Daß den Komponisten beim "Lux aeterna" Wagners Parsifalharmonien begleitet haben, ist unschwer festzustellen."

Robert Ruthenfranz war es wohl im wesentlichen zu verdanken, daß der Musikverein, trotz aller Schwierigkeiten, die die Nachkriegsjahre mit sich brachten, realtiv schnell wieder an Bedeutung gewann. 1949, das Jahr, in dem Konrad Adenauer am 15. September zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde, gründete Ruthenfranz in Witten das "Ruhr Kammerorchester". Die Ruhr-Nachrichten formulierten seine Gründungstat später so: "Er holte sich die Musiker von überall her zusammen." Dennoch blieben Rückschläge in den Jahren des Neubeginns nicht aus. Die für 1949 geplante Aufführung von Haydns "Jahreszeiten" mußte abgesagt werden, "weil in der völlig zerstörten Stadt kein geeigneter Saal vorhanden war." (RN,10.2.1950). Dafür durften die Ruhr-Nachrichten ihren Lesern in der gleichen Ausgabe miteilen, daß nach "längerer unfreiwilliger Pause ... der Städtische Musikverein mit einer konzertanten Aufführung von Carl Maria von Webers romantischer Oper "Der Freischütz" im Ruhrstadt-Theater an die Öffentlichkeit" trat."

Die Aufführung von Brahms "Ein Deutsches Requiem" im November des gleichen Jahres weckte noch einmal Erinnerungen an die Vergangenheit.

"Die letzte Aufführung dieses Werkes durch den Wittener Musikverein fand 1938 statt. (...) Übereifrige Elemente wollten die damalige Aufführung zu einer politischen Aktion mißbrauchen und durch Fahnendekorationen Tendenzen demonstrieren, die den Veranstaltern ferngelegen haben. An diese unliebsamen Vorfälle erinnern sich die damals Beteiligten nur ungern, wenn auch inzwischen gewonnener Abstand vieles in anderem Licht erscheinen läßt." (WAZ,

24.1.1950).

Nach mancherlei Krisen und mehreren Stabwechseln stellte sich im Dezember 1980 Heinrich Karl Klein mit seinem ersten Konzert unter dem Titel "Musik im Advent" dem Wittener Publikum als Chorleiter des Musikvereins vor. Auch H.K. Klein, Studiendirektor am hiesigen Ruhrgymnasium, sorgte wie einstmals Schulz-Dornburg, für "frischen Wind" im Verein. Der rege Pädagoge brachte viele junge Stimmen mit in den Chor. Ein Problem konnte aber auch er wie viele seiner Kollegen in den Jahrzehnten zuvor nicht zur vollsten Zufriedenheit lösen: Den nahezu chronischen Mangel an Männerstimmen, der sich ebenso wie der Kampf um die Finanzierung anspruchsvoller Konzerte wie ein roter Faden durch die 125 Jahre zieht.

Der neue Chorleiter bewies großes Engagement und organisatorisches Talent. So rettete er das Jubiläumskonzert zum 125-jährigen Bestehen - eine Aufführung der 9. Sinfonie von Beethoven - indem er spontan die "Orchester-Akademie Ruhr" gründete. Das ursprünglich verpflichtete "Westfälische Sinfonie-Orchester" hatte nämlich krzfristig abgesagt. Dieses junge Ensemble, das heute noch unter dem Namen "Rhein-Ruhr-Philharmonie" besteht, hat den Musikverein für eine geraume Zeit begleitet.

Unter der Leitung von Heinrich Karl Klein führte der Musikverein seine ersten Auslandsreisen durch. 1991 wurde der Chor eingeladen, beim großen gemeinsamen Konzert aller Partnerstädte von Wittens Partnerstadt Beauvais in der großartigen Kathedrale mitzuwirken. Sein Beitrag zu diesem europäischen Chorfest war die a cappella Motette "Jesu, meine Freude" von J.S. Bach.

Die zweite Konzertreise führte den Chor 1996 nach Tczew und Danzig. Hier stand "Ein Deutsches Requiem" von J. Brahms zum ersten Mal nach 50 Jahren wieder auf dem Programm.

Im Oktober 1997 fand dann der nächste Stabswechsel statt. Thomas Sander übernahm die Leitung des Musikvereins und ließ den Chor neue Wege beschreiten. Ausgehend von Werken der Renaissance und des Frühbarock (z.B. Cavallis Oratorium "Jephte") spannte er den Bogen zur Musik des Zwanzigsten Jahrhunderts (Paul Hindemith, Kantate "Mahnung an die Jugend, sich der Musik zu befleißigen"). Mit diesem Projekt verband der Musikverein im Jahre 2003 eine Reise nach Dresden. Die Aufführung fand im historischen Saal des Rathauses statt.

Aber auch "leichte Kost" in Gestalt von Musicalmelodien wurde dem Publikum angeboten.

Zum 135-jährigen Jubiläum wagte der Chor sich auf neues Terrain. Zur Aufführung kamen erstmals Opernchöre, gesungen in Originalsprache.

Ein besonderes Anliegen war es Thomas Sander, das Werk des spätromantischen, "unzeitgemäßen" Komponisten Armin Knab zu dessen 50. Todestag im Jahre 2001 mit einem Konzert zu würdigen.

Dank des breiten Spektrums der von Thomas Sander einstudierten Werke konnte der Musikverein in den letzten Jahren viele neue, auch jüngere Mitglieder gewinnen, eine gute Basis für die Zukunft.

Nachfolger von Thomas Sander wurde Hermann Kruse. Unter seiner Leitung führte der Musikverein u. a . die Markuspassion von J. S. Bach, das Requiem von G. Fauré und einen Streifzug durch  die Welt der Musicals auf.

2008 übernahm dann Joachim Gresch die musikalische Leitung des Musikvereins. Sein Debut gab Gresch mit ausgewählten Filmmusiken. Unter seiner Stabführung wurden u. a. das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach und Werke von  A. Dvorak, F. Mendelssohn-Bartholdy u. a. Komponisten aufgeführt.

2012 hatte der Musikverein die Gelegenheit, bei einem großen musikalischen Projekt auf der Henrichshütte in Hattingen mitzuwirken. An 3 Tagen hintereinander konnten die Besucher die Carmina Burana von Carl Orff genießen. Das Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen bildete eine eindrucksvolle Kulisse für dieses Konzert mit ca. 500 Mitwikenden.

Einen Eindruck hiervon vermittelt:

https://www.youtube.com/watch?v=nmKpQzQoZsY


2014 löste sich Musikverein Witten e. V. auf.


Die überwiegende Anzahl der ehemaligen Mitglieder des Musikvereins setzen ihre musikalische Arbeit im Collegium-Musicum-Witten fort.